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3. Jung und Alt - Das Leben

Also ging es das erste mal gemeinsam ins Studio. Da ich ja mit Aster schon einen Track hatte, wusste ich in etwa wie es war mit ihm zu arbeiten. Ich brauchte mich also auf keine großen Überraschungen gefasst machen. Es lief auch alles reibungslos und so entstand ziemlich schnell unser erster Song. Natürlich fanden wir "Unverwechselbar" zu dem Zeitpunkt super. Zum einen war es etwas völlig neues und es hatte auch bewiesen, dass wir es zusammen schaffen konnten. Dass der Track nicht 100%ig perfekt war, sollte sich ja noch rausstellen, aber das lag noch etwas vor uns.
Da wir relativ schnell fertig waren, hatten wir noch Zeit um uns einen neuen Beat zu picken und etwas zu schreiben. Wir erinnerten uns an die Hook von Aster und suchten den passenden Beat dafür raus. Das Thema war von der Sache her ja schon eingegrenzt durch Asters Vorarbeit, wobei eingrenzen nicht das richtige Wort ist. In Teil 2 hatte ich ja erwähnt dass es 2 Varianten von Themen gibt. Hier hatten wir eindeutig ein sehr allgemeines Thema vor uns. Das Leben. Ein sehr ausgelutschtes Thema... aber eigentlich auch wieder nicht. Denn was Rapper eigentlich machen, ist über ihr eigenes Leben zu Texten, wie schlecht oder gut es ihnen geht, nicht aber über das Leben im Allgemeinen. Wir fingen also an rumzuphilosphieren. Schliesslich wollten wir keinen platten Song mit irgendwelchen Phrasen. Irgendwann beschlossen wir einfach drauf loszuschreiben. Jeder sollte seine Sicht der Dinge aufs Papier bringen. Natürlich war das nicht einfach. Der Beat war sehr langsam, also hab ich probiert ein bisschen Melodie in meine Strophe zu bringen. Tame hat es textlich sowieso drauf, ausserdem sind diese tiefgründigen Sachen genau sein Ding. Aster bekam die dritte Strophe und somit das Finale des Tracks. Das hat er dann auch perfekt umgesetzt. Über die Doubletimepassage waren wir uns anfangs noch uneinig, jedoch muss ich sagen dass diese mittlerweile nicht wegzudenken ist. Wir rappten uns also unsere Zeilen vor und trällerten die Hook mit. Ab da war mir klar dass das ein Bombenlied werden würde. Ausserdem sollte dieses Lied auch das Fundament für das ganze Album bilden. Darauf kamen wir allerdings erst später. Für meinen Geschmack fing die Albumproduktion super an und auch die andern beiden waren sichtlich erleichtert über den reibungslosen Ablauf bisher. Wir nahmen den Track nicht gleich auf, da wir es zeitlich nicht mehr geschafft hätten und auch damit etablierten wir für uns eine Methode, die wir in der weiteren Albumproduktion noch öfter anwenden sollten. Einen Tag für das Schreiben eines Liedes und das nächste mal wird das Ganze aufgenomen. Ausserdem mussten wir noch einige Sachen bereden, denn unser erster gemeinsamer Auftritt stand kurz bevor.
Über meine Schwiegermutter hatten Tame und ich einen Kontakt hergestellt, der viele Feste und Konzerte organisierte. Mit ihm hatten wir auch schon für unser Borderlinekonzert zusammen gearbeitet. Der gute Mann wusste von unserer Musik und fragte uns, ob wir nicht Lust hätten auf einen Auftritt beim Regattafest in Grünau. Es wäre aber ziemlich kurzfristig. Wir stimmten zu, da wir 3 es einfach mögen live aufzutreten. Ausserdem mussten wir auch herausfinden ob wir zu dritt auf der Bühne gut harmonierten. Das Problem war nur, dass wir unser Musikprojekt, also das Album, noch geheim halten wollten. Und selbst wenn wir gewollt hätten. Die 2 Lieder waren gerade erst aufgenommen worden, also eine ziemlich unsichere Angelegenheit was das Texte lernen anging. Wir einigten uns darauf einfach alten Kram zu spielen. Wir nahmen also 4 Tracks von Borderline und ein paar Sachen die Aster bereit war von SoH zu spielen. Aster war schon immer ein Featurkünstler und hat in seiner kompletten Laufbahn bisher nur wenige Solotracks gemacht. Einer davon war "Mein Name". Hinzu kam ein Medley mit Asterstrophen von 4 verschiedenen Tracks. Wir konnten von Glück sagen dass wir noch "Musik ist Leben" hatten. Alles in allem also ein Programm von etwa 20-25 Minuten. Dürfte also kein Problem werden. Was wir allerdings nicht wussten, war dass alle anderen die dort auftraten um die 10 Jahre jünger waren als wir und von einer Musikschule kamen. Mal war es ein Kinderchor, mal ein Junge am Schlagzeug, der ein Solo spielte. Bestaunt wurde das Ganze von den Eltern und Großeltern der Kids. Man könnte also sagen, wir waren etwas fehl am Platz. Aber was soll man machen? Mit einiger Verspätung und etwas Stress hinter den Kulissen zwischen dem Veranstalter und dem Chef der Musikschule, betraten wir endlich die Bühne. Anfangs war es etwas seltsam vor diesen Leuten zu rappen, die mit der Musik rein garnichts anfangen konnten. Es waren zwar ein paar Leute da die wegen uns kamen, aber das war nicht der Rede wert. Meine Freundin bekam dann noch den Auftrag sich die Sache ganz objektiv anzuschauen, um uns eine Einschätzung des Auftritts zu geben. Uns dreien war klar, dass wir garnicht erst anfangen brauchten Stimmung zu machen, da die Leute älteren Semesters wohl kaum aufstehen würden um im Takt ihre Hände zu schwingen. Also probierten wir das Beste draus zu machen und rappten los. Nach einiger Zeit fiel mir jedoch auf, dass die meisten Leute mit großem Interesse den Texten lauschten. Sie saßen konzentriert da und versuchten die Texte zu verstehen. Ich hatte mit Tame vor einiger Zeit 2 Auftritte bei einer Art Kleinkunsttheater. Da ist mir das gleiche aufgefallen. Auch wenn die Leute mit der Musik an sich nicht viel anfangen können, merken sie doch schnell dass da ein Sinn hinter steckt. Ich denke bei Haftbefehl oder Farid Bang wäre die Sache nach 3 Takten erledigt, aber da unsere Texte einen gewissen Inhalt haben, konnten wir uns auch mal erlauben, vor solch einem Publikum aufzutreten. Und mittlerweile schätze ich sowas als willkommene Abwechslung. Später sollten wir noch einen Auftritt haben bei dem das Publikum wieder eine ganz andere Richtung einschlug, aber dazu kommen wir in einer der nächsten Wochen. Wir probierten also so gut es ging unseren Auftritt hinter uns zu bringen. Als wir fertig waren bekamen wir auch ansehnlichen Applaus, aber da unsere Muttis und Omis nicht dabei waren, gab es auch keinen der vor Stolz fast platzte.
Wir trafen uns nach dem Auftritt vor dem Festplatz und werteten das Ganze aus. Meiner Freundin ist auch eine Sache besonders aufgefallen, an der wir ein wenig arbeiten mussten. Von der Bühnenpräsenz decken wir nämlich 3 Typen ab, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Aster ist die ungezähmte Rampensau, der auch nach einem ernsten Lied mal einen blöden Spruch bringt. Tame ist genau das Gegenteil und bleibt sehr ruhig und besonnen. Dafür ist er ein Perfektionist was die Texte angeht. Sollte ich wirklich mal einen Hänger haben, kann ich mich immer auf ihn verlassen. Ich sehe mich eher zwischen den beiden und passe mich den Liedern und dem Publikum an. Wenn also das Publikum schlecht drauf ist, lass ich mich schnell runterziehen. Klar sollte man als Künstler die Leute animieren, aber man merkt doch ziemlich schnell ob die Leute auf einen Bock haben oder nicht. Der erste Auftritt lief also nicht perfekt, aber es liesse sich drauf aufbauen. Das machte schonmal Hoffnung, denn in nächster Zeit sollten wir noch einige Auftritte vor uns haben. Unter anderem einen, der speziel für mich eine ganz besondere Bedeutung haben sollte. Wir hatten also allerhand zu tun und auch jede Menge Stress.. Aber dazu kommen wir im nächsten Teil.
21.3.14 08:39
 


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